Visualisierte Problemstrukturierung

Explorat verwendet in der Begleitung von Entscheidungsfindungsprozessen eine Toolbox von Verfahren der visualisierten Problemstrukturierung (Fallbeispiele hier). Die Verfahren wurden von uns teils zusammengestellt und angepasst, teils eigens entwickelt. Die meisten der Strukturierungsverfahren gehen mit der Erstellung von Diagrammen einher; einige arbeiten auch mit Icons – deshalb der Zusatz „visualisiert“. Bekannte Beispiele für visualisierte Problemstrukturierung sind Concept Maps, Einfluss-Diagramme, Matrixverfahren sowie Argument- und Dialogue Maps. Verfahren Problemstrukturierung mit mehr oder weniger ausgeprägten visuellen Elementen sind auch bekannt unter Namen wie „Problem Structuring Methods“ und „Cognitive Mapping“ (beide Begriffe stammen aus der Operational Research oder Unternehmensforschung), „Dynagramms“ (Martin J. Eppler), „Analytical Frameworks“ (Bernard Garette et al.: Cracked it!) oder auch einfach „Strategietools“ (Nicolai Andler).

Besser entscheiden

Der Fokus von Explorat liegt auf der Entscheidungsanalyse und der hypothesenbasierten Problemstrukturierung zur kritischen Überprüfung und kreativen Ausdifferenzierung von Handlungsvorschlägen oder faktischen Annahmen. Die Verfahren wurden von uns so aufeinander abgestimmt, dass sie im Analyseprozess einander ergänzen und in Abfolge verwendet werden können. Die Kognitionspsychologie und die angewandte Argumentationstheorie bilden den wissenschaftlichen Hintergrund der von uns verwendeten Ansätze. Ein zentrales Thema ist dabei die Frage nach Standards und Prüfsteinen für gute Entscheidungen.

Oft optimal: Informelle Beratschlagung

Unser Ansatz in der Prozessbegleitung ist, dass in vielen Situationen Deliberation – also das längere Bedenken einer Angelegenheit oder die informelle Beratschlagung mit Vertrauenspersonen oder in der Gruppe – bessere Resultate liefert als ein streng methodisches Vorgehen. Zu oft nämlich beinhalten auf den ersten Blick praktisch erscheinende Methoden nicht explizit gemachte Vorannahmen, die im Resultat zu unerwünschten Verzerrungen führen. Außerdem haben nur wenige Probleme die passende Form, um sie von vornherein mit einer passenden Methode zu behandeln. Zu diesen wenigen Problemen gehören klassische Probleme der Entscheidungsanalyse wie zum Beispiel Produktvergleiche oder Karriere- und Managemententscheidungen, bei denen es darum geht, Wahrscheinlichkeit und Nutzwert verschiedener Optionen zueinander in Bezug zu setzen. Probleme dieser Art gehen von einer geschlossenen Fragestellung aus: Die Operationalisierung der Aufgabe ist abgeschlossen; die Handlungsoptionen liegen auf dem Tisch. Geschlossene Fragestellungen machen jedoch nur einen kleinen Teil der Bandbreite von Problemen aus, die sich in der Praxis stellen. Etliche Entscheidungssituationen sind geprägt durch das das Zusammenkommen einer Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven und Meinungen sowie durch Optionen, für die es oft keine eindeutigen Fakten oder Kennzahlen gibt, sondern lediglich mehr oder weniger plausible Annahmen. Hier ist informelle Überlegung als Entscheidungsverfahren unverzichtbar.

Greifbare Resultate auch ohne Moderation

Wir verwenden Verfahren der Problemstrukturierung, um informelle Überlegungen als Lösungsansatz zu stärken. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass wir Überlegungsinhalte im Nachhinein in eine Form zu bringen, die das weitere Vorgehen erleichtert. Wichtiger als das Vorgeben von Lösungswegen ist dabei oft, zunächst die Problemstellungen klar herauszuarbeiten. Damit eröffnen wir unseren Klienten die Möglichkeit, während eines Workshops oder in Workshopphasen (wie z.B. einem World Café) auf eine stark in das Geschehen eingreifende Moderation zu verzichten und dennoch zu greifbaren Resultaten zu gelangen.

Methode im Hintergrund

Nicht immer muss der Einsatz von Methoden der Problemstrukturierung explizit erfolgen. Gerade bei Interviews zum Beispiel bietet es sich an, dass der Moderator oder Analyst Strukturierungsmethoden als Gesprächsleitfaden verwendet oder um Gesprächsinhalte aufzubereiten, ohne dass die Interviewpartner die dabei verwendeten Diagramme zu Gesicht bekommen. Auf ähnliche Weise kann es auch Teilnehmenden an einem Workshop erspart bleiben, sich mit einer komplexen Methode wie der Multikriterienanalyse auseinanderzusetzen – während Inhalte, die während des Workshops abgerufen werden, dennoch für die Durchführung einer solche Analyse verwendet werden können.

Sichtbare Orientierung

Der explizite Einsatz von visualisierter Problemstrukturierung, auf der anderen Seite, eignet sich gut zu Zwecken des persönlichen Wissensmanagement und zur Unterstützung der Teamarbeit (sowie in einigen Fällen auch für die Workshopmoderation). Als Instrumente zur Kommunikation mit einer größeren Öffentlichkeit als Illustrationselemente sind visualisierte Problemstrukturierungen nur bedingt geeignet. Dies ist dadurch bedingt, dass Problemstrukturierung oftmals gar nicht das Ziel hat, die Sachlage zu vereinfachen, sondern vielmehr, entscheidungsrelevante Komplexitäten zu Tage zu befördern, die ansonsten verborgen geblieben wären.

Mehrwert von visualisierter Problemstrukturierung

Visualisierte Problemstrukturierung dient als Schema oder Schablone, um Überlegungsinhalte auf Form zu bringen und auf diese Weise Lücken – sozusagen fehlende Teile im Puzzle – zu identifizieren. Durch den Einsatz verschiedener solcher Schablonen ist es möglich, Inhalte abzurufen und zu präzisieren, die im freien oder lediglich durch Leitfragen strukturierten Gespräch verborgen bleiben.

 

Visualisierte Problemstrukturierung hilft, Inhalte zu komprimieren. Dies geschieht einerseits dadurch, dass die Strukturschemata Kriterien für die Auswahl relevanter Inhalte liefern; zu anderen dadurch, dass die Methoden es erleichtern, Inhalte zu codieren und auf diese Weise zusammenzufassen. Durch die Verwendung von übergreifenden Strukturschemata (etwa zur Verdeutlichung von Kausalzusammenhängen oder logischen Beziehungen) können komplexe Inhalte, die sich auf viele Einzelelemente verteilen, übersichtlicher dargestellt werden.

Visualisierte Problemstrukturierung hilft Dinge herauszufinden, die man vorher so nicht gesehen hat. Dies können zum Beispiel Punkte des Konsens oder Dissens in einer Verhandlungssituation oder einem Disput sein, notwendige Evidenzen zur Klärung einer offenen Frage oder strategisch relevante Eingriffspunkte in einem Systemzusammenhang.

Visualisierte Problemstrukturierung verhilft zu geteiltem Verständnis, denn im Vergleich zum gesprochenen Wort oder zu einer Textpassage verlangen Diagramme oftmals eine größere Präzision. Für die Einigung auf geeignete Formulierungen ist dies ein zielführender Zwischenschritt. Die Diagramme ermöglichen es darüber hinaus, eine gemeinsame Problemstellung herauszuarbeiten, in der sich alle Teilnehmenden wiederfinden.

 

Anwendungen

Sachstands- und Argumentationsanalyse

Visualisierte Problemstrukturierung hilft dabei, sich einen Überblick zu einem komplexen Thema zu verschaffen und Informationen aus verschiedenen Quellen zu aggregieren. Darüber hinaus bieten die Strukturierungsmethoden einen Leitfaden für die eigene Recherche und ermöglichen es, gezielt entscheidungsrelevante Punkte zu identifizieren.

Text und Redaktion

Visualisierte Problemstrukturierung unterstützt die Planung und Gliederung von Textdarstellungen und Präsentationen.

Workshopmoderation

In der Workshopmoderation sind Verfahren der visualisierten Problemstrukturierung besonders geeignet für Themenfeld- und Problemanalyse, Strategie- und Ideenfindung sowie Entscheidungsoptimierung. Visualisierte Problemstrukturierung ermöglicht es darüber hinaus, auf einem Workshop produzierte Inhalte im Nachhinein zu strukturieren. Auf diese Weise kann die Workshopdokumentation präzisere Resultate hervorbringen. Außerdem wird die Durchführung von Follow-up Umfragen unter Teilnehmenden erleichtert und vorbereitet.

Interview

Semistrukturierte Interviews (Leitfadeninterviews) sind ein nützliches Tool, um in Ergänzung zu (oder anstelle von) Präsenz-Workshops die Entscheidungsfindung im Team oder in anderen Gruppen voranzubringen. Strukturdiagramme ermöglichen dabei als gemeinsames ‚Totem‘ die Orientierung hin auf ein geteiltes Sachverständnis. Gleichzeitig unterstützt visualisierte Problemstrukturierung die Gesprächsführung im Sinne des Kreativitätscoachings und des Critical Thinking. Das Interview wird auf diese Weise zu einer 1:1 Moderation. Einsatzgebiete sind Teamprozesse, Delphi-Studien mit externen Experten oder Konsultationsverfahren zum Zwecke der Partizipation.

Lobbying, Verhandlung und Entscheidungscheck

Visualisierte Problemstrukturierung hilft, in einem von argumentativen Auseinandersetzungen geprägtem Kommunikationsumfeld den eigenen Standpunkt zu behaupten. In anderen Kontexten ermöglicht es Argument Mapping, Handlungsoptionen einer systematischen Überprüfung zu unterziehen. Das von Explorat zu diesen Zwecken entwickelte Verfahren adressiert drei verschiedene Ebenen: die Ebene des Themendesigns oder des Framings; die sachliche Ebene; und die dialektische Ebene (bei der es um darum geht, wie sich Akteure in einer Auseinandersetzung argumentativ positionieren). Visualisierte Problemstrukturierung liefert als Resultate:

  • Eine Situierung des Themas in Bezug auf verschiedene Kontexte (zur Erweiterung des Spielraumes für die Ergebnissuche)
  • Die Identifizierung von Kontroversen und Zielkonflikten
  • Eine Sachstandsanalyse unter Einbeziehung von improvisierter Quantifizierung und der Skizzierung möglicher Evidenzen
  • Eine umfassende Argumentationsanalyse zur Überprüfung von Schwachstellen und Angriffspunkten in der eigenen Argumentation (oder Planung) und derjenigen des Gegners
  • Eine systematische Identifikation der verschiedenen Optionen und Pfade, um die eigene Position argumentativ zu behaupten
  • Die Entwicklung von Entscheidungsprinzipien, um bei gleichermaßen plausiblen, aber widerstreitenden Argumenten den eigenen Standpunkt zu stützen

In Lobbying-Kontexten können diese Resultate verwendet werden, um adressatengerechte und situationsbezogene Empfehlungen für strategische Manöver zu entwickeln. In der Verhandlungsführung zeigen die Resultate gemeinsame Interessen der Verhandlungspartner auf und dienen dazu, von beiden Seiten akzeptable Beurteilungskriterien für strittige Fragen zu entwickeln. Darüber hinaus können Resultate der Problemstrukturierung im Rahmen eines Entscheidungschecks verwendet werden, um Handlungsvorschläge systematisch auf Fehlannahmen zu überprüfen.

Fallbeispiele: