Politikberatung hinter verschlossenen Türen?


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Wolfgang Streeck hat im aktuellen Newsletter des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung einen Kommentar veröffentlicht, in dem er die Forderung nach “mehr Öffentlichkeit” für die Politikberatung kritisiert. Der Beitrag betont die vor allem im Kontext der Debatte um die Klimaskepsis oft geäußerte Befürchtung, dass durch die Praxis der “ausgewogenen Berichterstattung” in den Medien wissenschaftliche Außenseiter mehr Beachtung finden, als diese der Sache nach verdient hätten – und dass dieser Effekt politisch gezielt genutzt werden kann.

Inwiefern sind Medienformate, die wie unsere Plattform Debattenprofis das Ziel einer “offenen Expertise” verfolgen, von dieser Kritik  betroffen?

Zwei Einwände drängen sich auf:

  • Ist nicht gerade die Betonung der Grenze zwischen “gesichertem Wissen” und “Außenseitertum” ein machtpolitisches Instrument, mit dem Kritiker, die in der Sache ja zuweilen auch Recht haben, mundtot gemacht werden? (Und ist die Vorstellung, dass wissenschaftliche Forschung politisch neutral ist, nicht ein wenig naiv?)
  • Führt die Transparenz, welche hergestellt wird durch die Auffächerung von Expertise und Gegenexpertise, notwendig dazu, dass die Grenze zwischen gesichertem Wissen und Außenseitertum verschwimmt? Lassen sich nicht gerade auf dieser Grundlage unhaltbare Positionen als solche entlarven?

Die Karte  (klicken) fasst die Diskussion zusammen:

 

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Von den genannten Einwänden abgesehen: Gerade mit den Online-Diskursen zu Synthetischer Biologie und zur Sterbehilfe haben wir die Erfahrung gemacht, dass es innerhalb der Expertenteams, die gemeinsam mit uns an der Erstellung der Argumentationskarten gearbeitet haben, gerade nicht zu Machtkämpfen gekommen war – und das, obwohl wir bei der Auswahl der Teammitglieder Wert auf eine möglichst heterogene Zusammensetzung gelegt hatten. Ein ‘mehr’  an Transparenz führte in diesem Fall also tatsächlich zu größerem Konsens. Der Abschlussbericht zur “Sterbehilfe” macht diesen Konsens auch öffentlich.

Ansonsten: gleicher Autor, etwas anderes Thema, aber sicher auch lesenswert: Streecks vor einiger Zeit im Magazin MaxPlanckForschung erschienener Beitrag zum Nutzen sozialwissenschaftlicher Politikberatung.