Der Insights-Prozess

Der Insights-Prozess ist als Beteiligungsverfahren und Konsultationsmethode radikal zugeschnitten auf eine bestimmte Form von Resultaten: Erkenntnisse. Eine Erkenntnis kann die Form eines konkreten Einzelhinweises zur Lösung eines Problems oder einer Aufgabe haben oder in einem umfassenden Bild bestehen, welches die Lösungskomponenten im Zusammenhang darstellt. Mit dem Fokus auf Erkenntnisse unterscheidet sich ein Insights-Prozess deutlich von Meinungsumfragen und von Ansätzen direkter Demokratie, wo Menge und Anteil abgegebener Stimmen entscheidungsrelevant sind. Auf der anderen Seite unterscheidet sich der Insights-Prozess aber auch von deliberativen Beteiligungsformaten (wie einem Bürgerrat) und von Co-Creation- Formaten, in denen Gruppen von Teilnehmenden gemeinsam und im Konsens Lösungen erarbeiten. Bei einem Insights-Prozess steuern Teilnehmende stattdessen Teile eines Puzzles zur Lösung einer Aufgabenstellung oder eines Problems bei. Beteiligung geschieht hier im Modus der Mitwirkung oder der Kontribution.

In den meisten Insights-Prozessen haben die Erkenntnisse einen unmittelbar praktischen Bezug. Sie werden so formuliert, dass Entscheidungsträger sich bei der Planung oder Umsetzung von Maßnahmen Punkt für Punkt darauf direkt darauf beziehen können. Dies stärkt den Nutzen des Prozesses für Entscheidungsträgers und macht den Teilnehmenden an einem Insights-Prozess gleichzeitig deutlich, welchen praktischen Stellenwert die mit ihrer Hilfe erzielte Erkenntnisse haben.

Die Dramaturgie eines Insights-Prozesses kann auf verschiedene Weise gestaltet werden. Ein zugleich einfaches und bewährtes Schema ist der Start mit einer offenen Frage.

 

Offene Frage

Bei einer offenen Fragestellung werden meist Was-Fragen (also Ziel- oder Strategiefragen) oder Wie-Fragen (Umsetzungsfragen) genutzt, die ein ein konkretes Vorhaben zum Gegenstand haben: „Wir möchten gern das Stadtquartier XY neu gestalten, um Z zu erreichen. Was sollten wir dabei beachten? Wie können bisherige Angebote im Stadtquartier verbessert werden?“ Oft werden für die Fragestellung auch Szenarien verwendet wie „Versetzen Sie sich in die Lage Ihrer Konkurrenten: Was machen Ihre Konkurrenten in den Bereichen Innovations-, Wissens- und Personalmanagement besser?“ oder „Wir befinden uns zwei Jahre in der Zukunft. Ihr Projekt ist gescheitert. Was sind die Gründe dafür?“

 

 

Konsolidierung: Markierung von Kernaussagen

 

 

Aus den Antworten der Teilnehmenden werden Kernaussagen herausgearbeitet. Diese dienen in Zwischenschritten des Prozesses als Stellvertreter für die vollständigen Antworten.

 

 

Clustering

Kernaussagen werden in Gruppen und Untergruppen aufgeteilt. Die Gruppen können entweder eindimensional angelegt sein (so dass die Zugehörigkeit exklusiv ist und Aussagen entweder der einen oder der anderen Gruppe zugeordnet werden) oder mehrdimensional. Beim mehrdimensionalen Clustering stehen die Gruppierungen für verschiedene Hinsichten, in Bezug auf welche eine Kernaussage eingeordnet werden kann (so wie eine Kirsche innerhalb der Gruppierung „Obst“ in die Untergruppe „Kernobst“ fällt und gleichzeitig in der Gruppierung „verschiedenfarbige Dinge, die man essen kann“ in die Untergruppe „rote Dinge“).

 

 

 

Erkenntnisse

Die Resultate des Clusterings sind Basis für die abschließenden Erkenntnisse. Erkenntnisse können „bekannte Unbekannte“ sein (wie Schlaglöcher in Fahrradwegen, von denen man nicht weiß, wo sich diese befinden) oder „unbekannte Unbekannte“ (Probleme oder Lösungen, die man vorher noch gar nicht auf der Agenda hatte). Auch die Identifizierung neuer Argumente, die für oder gegen eine Lösung sprechen, kann eine Erkenntnis sein. Eine Erkenntnis kann darüber hinaus in der Unterfütterung von abstrakten Sachverhalten mit Beispielen oder in der Verknüpfung mit konkreten Details bestehen. Eine weitere Form von Erkenntnis kann darin bestehen, dass man ein umfassendes Gesamtbild einer Situation erlangt, oder dass eine diffuse Gemengelage von Wünschen und Eindrücken durch eine neue Gruppierung und kategoriale Zuordnung von Teilnehmenden-Antworten in eine pointierte Beschreibung verwandelt wird. Wenn es sich anbietet, unterstützen wir dies durch Verfahren der visualisierten Problemstrukturierung (wie Matrixdiagramme, Mindmaps oder Systemigramme) oder einfache Zeichnungen. Siehe auch: Beispiele für Erkenntnisse.

 

Entscheidung

Im Idealfall endet ein Insights-Prozess mit einer Entscheidung (oder einer Stellungnahme) des Auftraggebers. Für die Teilnehmenden bedeutet dies, dass sie von Anfang an eine klare Vorstellung haben, wie die Resultate des Insights-Prozesses sich in praktische Konsequenzen übersetzen. Auch für die Formulierung von Erkenntnissen ist es hilfreich, wenn diese von vornherein auf mögliche Entscheidungen oder Stellungnahmen hin konzipiert werden.

 

Feedback

Bereit die erzielten Erkenntnisse werden den Teilnehmenden des Prozesses präsentiert. Die Moderation hat hier die Gelegenheit, noch einmal Fragen zu stellen. Die Teilnehmenden haben ihrerseits die Möglichkeit, die zusammengefassten Erkenntnisse zu kommentieren. Am Ende des Prozesses informiert der Auftraggeber des Insights-Prozesses die Teilnehmenden umfassend über Entscheidungen, die auf Basis der erzielten Erkenntnisse getroffen werden.